Altlastendeponie K20

Geschätzte Bevölkerung

Die Situation rund um die Altlastendeponie K20 ist nicht einfach zu verstehen. Selbst für Experten ist es schwierig, die Fülle an Daten aufzubereiten, um sie dann in eine für uns alle verständliche Sprache umzuschreiben. Zweimal habe ich den Versuch gestartet einen Postwurf zu erstellen, um über die aktuelle Situation zu berichten. Und zweimal habe ich es wieder verworfen, da praktisch täglich neue Informationen hereinkommen. Bei Zustellung der Post wären diese Informationen bereits alt und überholt gewesen. Deshalb werde ich versuchen, auf unserer Homepage über die aktuellsten Entwicklungen zu berichten sowie Informationen der Behörden und Fachleute weiterzugeben.

Derzeit wird im Görtschitztal und speziell in unserer Gemeinde über drei Umweltbelastungen gesprochen, diskutiert und gestritten:

  • HCB:      Hexachlorbenzol
  • HCBD:   Hexachlorbutadien
  • Hg:         Quecksilber (Hydrargyrum)

 

HCB

Wir alle wissen, dass es weltweit verbreitet ist, dass es im Bereich der Wietersdorfer Zementwerke und im Bereich der K20 in Brückl deutlich überhöhte Belastungen gibt bzw. gegeben hat, und dass wir alle, Mensch und Tier, es in uns haben. Manche Einwohner im Görtschitztal weisen leider beträchtliche Werte über dem Durchschnitt der Bevölkerung auf. Eine unmittelbare gesundheitliche Gefährdung konnte daraus noch nicht abgeleitet werden. Die Einzelbefunde wurden allen Betroffenen bereits im März übermittelt, nunmehr wurde von Prof. Michael Kundi unter Mitarbeit von Prof. Dr. Hans-Peter Hutter und Doz. Dr. Hanns Moshammer unter Einbeziehung von Global 2000 und Greenpeace der Endbericht fertig gestellt.

„Nach Auswertung aller Daten lassen sich ganz klare medizinische Aussagen treffen: Die betroffene Bevölkerung weist, auch wenn man die Hintergrundbelastung einrechnet, deutlich erhöhte HCB-Werte im Blut auf. Diese Aufnahme erfolgte fast ausschließlich über die Nahrung“, erklärt Prof. Hutter, „da es keine österreichischen Referenzwerte für HCB gibt, wurde eine Vergleichsstichprobe aus der Österreichischen Ernährungsstudie 2010 bis 2012 gezogen. Signifikant erhöhte HCB-Werte haben sich sowohl bei Personen gezeigt, die in einem Abstand bis zu sieben Kilometer zum Zementwerk wohnen, aber auch bei jenen, die häufig Produkte aus dem Görtschitztal konsumiert hatten.“ Auf Basis der HCB-Messdaten in Futter- und Lebensmitteln und den nun vorliegenden Ergebnissen der Blutuntersuchungen kann ein eindeutiger Zusammenhang der festgestellten Belastungen mit den HCB-Emissionen bei Wietersdorfer im oberen Talbereich hergestellt werden.

„Obwohl aufgrund der vorliegenden Messergebnisse eine unmittelbare, akute Gefährdung der Gesundheit nicht zu befürchten ist, haben Studien gezeigt, dass HCB als hormonell wirksamer Fremdstoff auch in niedrigen Konzentrationen bereits die Regulationsfähigkeit des Organismus einschränken und zu einer Belastung der Entgiftungs- und Stoffwechselvorgänge führen kann“, stellt Prof. Kundi fest: „Oberste Priorität aus medizinischer Sicht liegt deshalb darin, sicherzustellen, dass keine weitere HCB-Belastung der Menschen im Görtschitztal erfolgt.“ Zudem wird zu einer möglichen Unterstützung der beschleunigten Ausscheidung die Einnahme von Pflanzenölen wie Sonnenblumenöl, Maiskeimöl, Rapsöl, Olivenöl oder Nussöl empfohlen. Die Ausnahme bildet wie bekannt Kürbiskernöl, vor dessen Konsum zum Zwecke der vermehrten Ausscheidung abzuraten ist.

 

HCBD

Diese Chemikalie beschäftigt uns derzeit im Besonderen. Beim Abräumen des ältesten Bereiches der Deponie ist dieser Stoff, begünstigt durch die große Hitze der letzten Tage, verstärkt ausgetreten. Es wurden bereits viele Proben im Bereich der Chlorfabriksiedlung, Schmieddorf und Bachwiesenweg gezogen und analysiert. In manchen Gärten sind die Werte in einigen Pflanzen (z.B. Zitronenmelisse, Spinat) deutlich überhöht. Deshalb werden in den kommenden Tagen noch weitere Pflanzen analysiert.

Auch hier wird als Vorsichtsmaßnahme empfohlen, die Kräuter aus den Gärten in den oben genannten Bereichen und in St. Gregorn nicht zu essen. Bei der Belastung mit HCBD geht es aber nicht darum, wie hoch eine einzelne Belastung ist, sondern darum, wie hoch ich in Summe belastet bin. Es gibt daher keine Grenzwerte, sondern den TDI Wert der Weltgesundheitsorganisation, den Wert der die täglich tolerable Aufnahme von HCBD angibt.

Da zwar die gemessenen Werte hoch sind, aber keine akute Gesundheitsgefährdung bedeuten,  hat Prof. Kundi von der Medizinischen Universität  Wien gemeint, eine Evakuierung der Chlorfabriksiedlung wäre völlig überzogen und unnotwendig. Wichtig ist es die weitere Exposition zu unterbinden , um eben eine solche Langzeiteinwirkung zu verhindern.

Aus  diesem Grund sind zunächst  deponieseitig alle möglichen Maßnahmen zu treffen und wurden die Sanierungsmaßnahmen gestoppt. Die derzeitigen  Arbeiten  auf der Deponie beschränken sich  auf die Umsetzung der Sicherungs- und Schutzmaßnahmen.

Ein wesentlicher Unterschied zu HCB ist, dass HCBD wasserlöslich ist. D.h., Obst und Gartenfrüchte sollen vor dem Essen unbedingt gewaschen werden. Als Sofortmaßnahme wurden die offenen Stellen in der Deponie mit Folie abgedeckt. Dies hat eine leichte Verbesserung gebracht. Als zweiten Schritt wurde Schotter und Erde (übrig geblieben vom Wildwasserverbau der Görtschitz) auf die Folien geschüttet. Diese Maßnahme hat eine wesentliche Verbesserung gebracht. Weitere Schritte sind in Überlegung durch Donau Chemie und die Behörden.

 

Hg

Eine immissionsseitig unzulässige Belastung aufgrund der Abräumung der Deponie K20 konnte bislang nicht festgestellt werden. Jede einzelne LKW-Lieferung mit kontaminiertem Blaukalk, der nach Wietersdorf geliefert wurde, wurde auf Quecksilber untersucht. Dies war mit den Wietersdorfer Zementwerken so vereinbart. Die Werte liegen deutlich unter den gesetzlich zugelassenen Grenzwerten, sowohl im Durchschnitt als auch in den einzelnen Lieferungen.

 

Allgemeines

Die Empfehlung im Umkreis von 2km der Deponie kein selbstgezüchtetes Gemüse oder Kräuter zu verzehren ist eine Vorsichtsmaßnahme, um nicht möglicherweise noch mehr HCB oder HCBD aufzunehmen. Ich kann Sie darüber informieren, dass sich die BürgermeisterInnen aus dem untereren Görtschitztal (Gabi Dörflinger-Andi Grabuschnig-Burkhard Trummer) regelmäßig treffen, um sich aufeinander abzustimmen und weitere Maßnahmen und Möglichkeiten zu besprechen. Selbstverständlich sind wir auch dabei den „Masterplan Görtschitztal 2015+“ mitzugestalten. Und natürlich unterstützen wir die Forderung ein Forschungszentrum im Tal zu etablieren. Das Wichtigste ist derzeit für uns, mit Behörden, Politikern, der Donau Chemie und W&P zusammen zu arbeiten, um die für die gesamte Bevölkerung bestmögliche Entsorgung der Altlastendeponie K20 zu bekommen. Gegenwärtig werden fünf verschiedene Varianten an Sanierungsmöglichkeiten von Fachexperten des Landes und des Umweltbundesamtes überprüft und  Vor- und Nachteile der jeweiligen Sanierungsvariante abgewogen. Sobald die Ergebnisse diesbezüglich vorliegen soll die Bevölkerung darüber informiert werden.


Ihr Bürgermeister

Ing. Burkhard Trummer